Klimawandel, 2. Sanierungszyklus – Mietsteigerungen drohen

+++ Grenznutzen bei Investitionen in CO2-Reduktion erreicht, Mieter wollen nicht für Klima zahlen +++ Anstehender 2. Sanierungszyklus kostet 1,5 Mio. Euro pro Haus +++ Mietsteigerungen bis zu 5% pro Jahr +++

Erfurt. Lange konnte Thüringens Wohnungswirtschaft die Mieten bezahlbar halten. Das kann sich nun ändern. Politische Ziele wie weitere energetische Sanierung und CO2Reduktion von Gebäuden treffen auf den zweiten Sanierungszyklus, der die Thüringer Wohnungsunternehmen etwa 1 Mrd. Euro im Jahr kosten wird.  Die gute Nachricht: Seit 1994 hat Thüringens Wohnungswirtschaft den CO2-Ausstoß von 1,97 Mio. auf 0,58 Mio. Tonnen – also bereits um 70 % (!) reduziert. Der Haken: die stärkste Senkung der CO2-Emissionen erfolgte im Zeitraum von 1994 bis 2007. Seitdem konnte der CO2-Ausstoß nur noch um 4,5% pro Jahr gesenkt werden. Die größten Einsparungen resultierten aus Dämmungen an der Gebäudehülle und Verbesserung der Haustechnik. Bei der Dämmung ist der Grenznutzen erreicht, die Haustechnik kann nur noch schrittweise ausgetauscht werden. Zudem ist dies nur bei ¼ der vtw-Wohnungen möglich, da der Rest über Fernwärme versorgt  wird. Das heißt: Weitere Maßnahmen – ob Dämmung, neue Heizung oder CO2-Steuer erhöhen lediglich die Kosten – und damit die Miete. Vtw-Direktor Frank Emrich ergänzt: „Wir haben zum Thema eine repräsentative Umfrage durchführen lassen. 80 % der Thüringer Mieter lehnen eine Mieterhöhung wegen baulicher Maßnahmen zum Klimaschutz ab. Hier baut sich ein großes Konfliktpotenzial auf.“   Gleichzeitig stehen in Thüringen 30 Jahre nach der fast flächendeckenden Modernisierung erneut Instandhaltungen und Modernisierungen an. Der Investitionsbedarf liegt pro Haus bei ca. 1,5 Mio. Euro – in den nächsten zehn Jahren mindestens 1 Mrd. Euro pro Jahr allein für die Wohnungen der vtw-Mitglieder.  Zwar haben die Wohnungsunternehmen die Sanierungen eingeplant. Allerdings lassen drei Faktoren selbst konservative Kalkulationen nicht mehr aufgehen:  1. Gestiegene Baukosten. Für den Kalkulationszeitraum etwa 50-60 % über der normalen Preissteigerungsrate – ein Ende ist nicht abzusehen.  2. Gerade im ländlichen Raum konnten durch Bevölkerungsrückgang bei gleichzeitigen Niedrigstmieten keine ausreichenden Rückstellungen gebildet werden.  3. Viele Unternehmen belasten immer noch Altschulden aus dem Einigungsvertrag, die Kreditaufnahmen erschweren.

Erfolgt keine externe Gegenfinanzierung, schlagen die Sanierungskosten in vielen Fällen mit bis zu 5-prozentiger Mietsteigerung pro Jahr durch. Eine 70 qm-Wohnung würde ca. 0,28 Cent pro Quadratmeter im Monat mehr kosten, also 235 Euro im Jahr. Frank Emrich bilanziert: „Es ist absehbar, dass weitere Klimaschutzmaßnahmen auf die Wohnungswirtschaft zukommen. Genauso vorhersehbar ist die hohe Kostenbelastung aus dem zweiten Sanierungszyklus bei gleichzeitig niedrigen Mieteinnahmen, insbesondere im ländlichen Raum. Wir müssen zusammen mit der Landespolitik nach Lösungen suchen. Finden wir keinen gemeinsamen Weg, wird die Mietbelastung der Thüringer unweigerlich steigen.“
 
 

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PM 14/19 Klimawandel, 2. Sanierungszyklus – Mietsteigerungen drohen

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