Sofortabschreibung der GWG (geringwertige Wirtschaftsgüter)

Durch das Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechtsüberlassungen wird in § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von bislang EUR 410 auf EUR 800 angehoben. Danach dürfen bei der steuerlichen Gewinnermittlung die Anschaffungs- und Herstellungskosten von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens, die einer selbständigen Nutzung fähig sind, im Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten für das einzelne Wirtschaftsgut EUR 800 nicht übersteigen.  Die Neuregelung wird gemäß § 52 Abs. 12 Satz 3 EStG erstmals auf Wirtschaftsgüter anzuwenden sein, die nach dem 31.12.2017 angeschafft oder hergestellt werden.

Innerhalb der handelsrechtlichen Bilanzierungsregelungen besteht kein Pendant zu dieser steuerlichen GWG-Regelung. Vor diesem Hintergrund der Anhebung der Obergrenze für GWG auf EUR 800 diskutierte der HFA (Hauptfachausschuss  des Instituts der Wirtschaftsprüfer), wie sich dies auf die Behandlung entsprechender Vermögensgegenstände in handelsrechtlichen Abschlüssen auswirkt. Nach Auffassung des HFA ist es als zulässig anzusehen, Vermögensgegenstände, die steuerlich das Kriterium eines GWG i.S.d. § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG erfüllen, in der handelsbilanziellen Rechnungslegung im Geschäftsjahr ihrer Anschaffung oder Herstellung in Höhe der gesamten Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzuschreiben („Sofortabschreibung“).

Praxishinweis:
Angewendet werden sollen die neuen Wertgrenzen erst auf nach dem 31.12.2017 angeschaffte Wirtschaftsgüter (also i.d.R. GJ 2018). Daher ist es sinnvoll, zu überlegen, ob eine Anschaffung in 2017 (noch max. 410 EUR) oder erst in 2018 (dann max. 800 €) durchgeführt werden soll.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Herrn Zwernemann.

Geänderte bilanzielle Behandlung von KfW-Tilgungszuschüssen

 

Im Rahmen der KfW-Programme „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ werden zinsverbilligte Darlehen gewährt. Wenn die Fördervoraussetzungen erfüllt sind, wird den Unternehmen bei vielen Programmen darüber hinaus ein Teil der Darlehensschuld erlassen (Tilgungszuschuss oder Teilschulderlass). In der Vergangenheit wurde der Tilgungszuschuss überwiegend bei dem KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren“ gewährt. Mit Neufassung der EnEV 2014 und Beginn der Niedrigzinsphase erfolgte zunehmend auch eine Förderung von Neubauten mittels Tilgungszuschüssen im Programm „Energieeffizient Bauen“.

In der Handelsbilanz wurden gewährte Tilgungszuschüsse bisher sofort ertragswirksam vereinnahmt. Der Immobilienwirtschaftliche Fachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer hat die bisherige Auffassung weiterentwickelt:

  • Bei aktivierungspflichtigen energetischen Modernisierungen oder Neubauten ist zukünftig von einem Investitionszuschuss auszugehen. In diesen Fällen besteht grundsätzlich die Verpflichtung, die zeitliche Abgrenzung durch Minderung der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten zu realisieren. Alternativ kommt auch die Bildung eines gesonderten Passivpostens in Betracht, der über die Nutzungsdauer des aktivierten Objekts ertragswirksam aufzulösen ist.
  • Soweit der Tilgungszuschuss hingegen für eine Maßnahme gewährt wird, deren Kosten als Instandhaltungsaufwendungen erfasst worden sind, wird er weiterhin sofort ertragswirksam vereinnahmt.

Für die Steuerbilanz bleibt es bei dem Wahlrecht, die Tilgungszuschüsse entweder erfolgswirksam als Betriebseinnahmen zu vereinnahmen oder sie erfolgsneutral von den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten abzusetzen.

Zur bilanziellen Behandlung von erhaltenen Zuschüssen der öffentlichen Hand vgl. auch Artikel im Heft 8/2017 in der DW Die Wohnungswirtschaft, Seite 48 ff.

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Herrn WP/StB/RA Zwernemann.