Überzogener Klimaschutz treibt Mieten in die Höhe +++ Gesetzesentwurf ist unwirtschaftlich und unsozial

Medieninfo 07/16
Datum: 17.11.2016

Erfurt – Der Verband der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft schließt sich der Kritik der Thüringer Ministerien am ersten Klimagesetz des Umweltministeriums an, nachdem bis 2050 alle Treibhausgase um 90 Prozent gesenkt werden.

„Unsere Wohnungswirtschaft hat ihre Hausaufgaben übererfüllt. Wohngebäude von vtw-Mitgliedsunternehmen stoßen bei Fernwärme und Erdgas 40 % weniger CO2-Emissionen aus als der Bundesdurchschnitt. Durch Modernisierung und Sanierung wurden innerhalb von 20 Jahren die Energieverbräuche sogar um über 70 % gesenkt!“, betont Constanze Victor, Direktorin des Verbandes der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.

Im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung sicherten vtw-Mitgliedsunternehmen außerdem schon 2012 zu, Thüringens Pro-Kopf-Verbrauch von Endenergie bis 2025 um jährlich ein Prozent zu senken. Das Ergebnis: Seitdem reduzierten die Unternehmen Endenergie für Raumheizung und Trinkwassererwärmung statt um                    1 % um 6 % pro Jahr. „Dieser beispiellose Kraftakt führte dazu, dass nahezu der komplette Wohnungsbestand saniert und teilsaniert ist. Jedes weitere verschärfende Gesetz führt zu einer Schieflage der Kosten-Nutzen-Effizienz“, betont Constanze Victor. Trotz der bereits erfolgten massiven Reduzierungen erzielen Thüringens Wohnungsunternehmen immer noch jährliche Einsparungen und halten die freiwillige Selbstverpflichtung ein. Dies geschieht nur über normale Sanierungszyklen und Neubauten.

Weitere Maßnahmen wie das angedachte Thüringer Klimagesetz sieht der vtw kritisch. Die wirtschaftlich vertretbaren Grenzen der Sparmöglichkeiten sind erreicht. Ab jetzt steigen die Kosten enorm, die Effekte sind gering – im Ergebnis verteuert sich Wohnen, die Mieten steigen. „So sieht kein sozial verträglicher Klimaschutz aus. Verbesserungen bei Energieeffizienz und CO2-Einsparung können jetzt bestenfalls bei Landwirtschaft und Mobilität erzielt werden“, betont die Verbandsdirektorin. Sie weist darauf hin, dass auch auf Bundesebene gerade wieder Vorstöße zu einer weiteren Verschärfung der Klimaschutzziele gemacht werden, die die Unternehmen im Freistaat ebenfalls betreffen.

 

Hintergrund:

Dienstag stellte der Bundesverband der Wohnungswirtschaft Gdw seine Mitarbeit im Bündnis für Bezahlbares Wohnen und Bauen infrage, da der neue Klimaschutzplan 2050 eine dramatische Verschlechterung gegenüber den ursprünglichen Fassungen bedeutet. Geht es nach den aktualisierten Plänen sollen künftig 8 Mio. Tonnen CO2-Minderung zusätzlich auf dem Gebäudesektor, 1 Mio. Tonnen auf dem Abwasserbereich und 1 Mio. Tonnen CO2 auf dem Abfallbereich lasten. Für die Gebäude mit den ohnehin größten Minderungswerten bedeutet dies eine weitere Verschärfung im Minderungsziel um 10 %. Vergessen wird dabei, dass die Wohnungswirtschaft in der Vergangenheit die größten Einsparungen erbracht hat. Bundesweit sparten Gebäude 43 % und Industrie 63 % zwischen 1990 und 2014 ein. Die Einsparungsergebnisse bei der Energiewirtschaft liegen dagegen nur bei 23 %, die der Landwirtschaft bei 18 % und die des Verkehrs gar bei 2 %.

Hier wird deutlich, wo die wirklichen Einsparungspotentiale liegen. Erneut der Wohnungswirtschaft die Hauptlast aufzubürden ist das Gegenteil eines sozialverträglichen Klimaschutzes.

Im Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V. (vtw) haben sich 215 Mitgliedsunternehmen, darunter 174 Wohnungsunternehmen, zusammengeschlossen. Zusammen bewirtschaften sie 270.000 Wohnungen. Mit 252.500 Wohnungen handelt es sich dabei fast ausschließlich um eigenen Bestand der Unternehmen. Rund 17.500 Wohnungen werden für Dritte, teils in der Wohneigentumsverwaltung, betreut. Nahezu jeder zweite Mieter wohnt bei einem Mitgliedsunternehmen des vtw. Seit 1991 investierten vtw-Mitglieder insgesamt rund 11,7 Mrd. Euro überwiegend in den Wohnungsbestand. 2015 sicherten die vtw-Mitglieder mehr als 6.500 Arbeitsplätze.

 

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