„Nur so kann Integration gelingen“: Thüringens Wohnungswirtschaft begrüßt Wohnsitzauflage für Flüchtlinge

Medieninfo 04/16

Erfurt – „Thüringens Wohnungswirtschaft stellte vergangenes Jahr einer Vielzahl von Flüchtlingen Wohnraum. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt geht es um Integration. Die kann nur gelingen, wenn wir Planungssicherheit durch eine Wohnsitzauflage für Flüchtlinge haben“, betont Constanze Victor, Direktorin des Verbandes der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft vtw. Beschließt Thüringen die Regelung am 13. September, kann es künftig den Umzug von Flüchtlingen in bestimmte Städte oder Regionen verbieten. Die Auflage gilt nicht für Flüchtlinge, für die ein Umzug nötig wird, um einen Job, einen Ausbildungs- oder Studienplatz anzutreten.

Für den vtw bietet die Wohnsitzauflage ausschließlich Vorteile – für Unternehmen als auch für die Flüchtlinge. So verursacht das kurze Verweilen der Flüchtlinge aktuell hohe Personal- und Verwaltungskosten bei Wohnungsunternehmen und bei Behörden. Es ist nahezu unmöglich innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten den Wechsel von Wohnungen zu organisieren.

„Viel wichtiger aber ist: Nur wenn die Flüchtlinge langfristig an einem Ort verweilen, können sie sich bei uns einleben. Ohne Wohnsitzauflage wird die Binnenwanderung in die ohnehin oft überfüllten Ballungsräume weiter verstärkt – und verteilt sich nicht strukturiert z.B. in die nähere Umgebung der Städte“, betont Constanze Victor. Sie sieht hier die Politik in der Verantwortung, die Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung am Standort weiter zu betreuen. „Die Wohnsitzauflage ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch die Regelung allein reicht nicht. Derzeit stellt Thüringens Wohnungswirtschaft Wohnraum und übernimmt gleichzeitig die Integration der Flüchtlinge. Auf Dauer gehört das nicht zu den originären Aufgaben eines Wohnungsunternehmens. Dies muss eine gesamtpolitische Aufgabe sein. Hier ist die Politik dringend gefordert“, so die Verbandsdirektorin aus Erfurt. Der vtw schlägt deshalb vor, die Wohnsitzauflage an einen Pflichtsprachkurs und eine kontinuierliche Betreuung zu koppeln. Dafür sollten die Kommunen mehr Gelder zur Verfügung erhalten.

Auch für Thüringens Wohnungswirtschaft ist es ein Anliegen, stabile Mietverhältnisse zu entwickeln und die Flüchtlinge zu integrieren. Ohne eine Wohnsitzauflage und soziale Betreuung geht das jedoch nur sehr schwer. Aktuell engagieren sich auf privater Ebene Mieter, Mieterbeiräte und Hauswärter für die Integration. Wohnungsunternehmen organisieren interkulturelle Schulungen, trainieren Mitarbeiter für den Umgang mit anderen Kulturen und kooperieren mit Jobcenter, IHK, Handwerkskammer, ZiM und vielem mehr.

Landespolitik muss diesen Prozess stärker unterstützen als bisher. „Die Politik fordert, dass wir Flüchtlingen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen. Wir kommen dieser gesellschaftspolitisch wichtigen Aufgabe nach. Doch es kann nicht sein, dass unsere Unternehmen mit der Integration der oft traumatisierten Menschen aus anderen Kulturen allein gelassen werden. Hier sind Sozialarbeiter und keine Wohnungswirtschaftler nötig. Dafür muss der Freistaat zeitnah ausreichend Mittel und Ressourcen zur Verfügung stellen“, appelliert Constanze Victor.

Im Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V. (vtw) haben sich 215 Mitgliedsunternehmen, darunter 174 Wohnungsunternehmen, zusammengeschlossen. Zusammen bewirtschaften sie 270.000 Wohnungen. Mit 252.500 Wohnungen handelt es sich dabei fast ausschließlich um eigenen Bestand der Unternehmen. Rund 17.500 Wohnungen werden für Dritte, teils in der Wohneigentumsverwaltung, betreut. Nahezu jeder zweite Mieter wohnt bei einem Mitgliedsunternehmen des vtw. Seit 1991 investierten vtw-Mitglieder insgesamt rund 11,7 Mrd. Euro überwiegend in den Wohnungsbestand. 2015 sicherten die vtw-Mitglieder mehr als 6.500 Arbeitsplätze.

© A_Bruno - Fotolia.com
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